„Wenn Protest Geschichte schreibt: Black Lives Matter 13 Jahre nach der Entstehung“
Im Rahmen des Black History Month 2026 lud das AmerikaHaus NRW zusammen mit der Kölner VHS am 25. Februar zu einer Abendveranstaltung über die Black Lives Matter-Bewegung ein. Die Referentinnen des Abends waren Luvena Kopp, Postdoktorandin am Bonn Center for Dependency and Slavery Studies der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, und Bebero Lehmann, Historikerin und Mitgründerin der Theodor-Wonja-Michael-Bibliothek in Köln. Gemeinsam diskutierten sie Ursprünge, Widersprüche und transatlantische Wirkung einer der folgenreichsten Protestbewegungen der jüngeren Geschichte.
Kopp eröffnete mit einem Blick auf die Entstehungsgeschichte von Black Lives Matter. Am Anfang habe 2013 – nach der Tötung Trayvon Martins und dem Freispruch des Täters – ein Gefühl des kollektiven Zusammenbruchs gestanden. Nach dem Tod von Michael Brown in Ferguson, Missouri, im Folgejahr sei aus dem neuerlichen Protestmoment dann eine Bewegung geworden. Der Fall habe den strukturellen Kontext in die Öffentlichkeit gebracht: eine profitorientierte Polizeiarbeit, bei der hohe Geldstrafen für kleinere Vergehen verhängt wurden und die insbesondere die schwarze und arme Bevölkerung systematisch traf. In Folge der Tötung von George Floyd, wiederum durch einen Polizisten, habe sich die Black Lives Matter-Bewegung 2020 schließlich global ausgeweitet.
Hinter der Bewegung stehe eine bewusst dezentrale Organisation, erläuterte Kopp weiter. Diese Dezentralität sei eine Lehre aus der Bürgerrechtsbewegung gewesen, die mit ihren hochvisiblen Führungsfiguren angreifbar gewesen sei. Das wichtigste Anliegen sei ein Ende der Polizeigewalt – ob dieses durch Reformen oder durch eine Auflösung der Polizei zu erreichen sei, sei innerhalb der Bewegung umstritten. Darüber hinaus würden auch weitere Themen kontrovers diskutiert, darunter die Frage, in welcher Weise Einfluss auf Gesetzgebungsprozesse genommen werden soll und ob ein Brückenschlag hin zu den Anliegen der Arbeiterschicht über rassifizierte Grenzen hinweg zielführend sein könnte.
An Luvena Kopps Impulsvortrag schloss sich ein Gespräch mit Bebero Lehmann an, die den Bogen nach Deutschland spannte. Sie berichtete, dass die Ermordung George Floyds auch in Köln einen öffentlichen Diskurs über strukturellen Rassismus ausgelöst habe, der in dieser Form neu gewesen sei. Ein zentraler Unterschied zwischen beiden Ländern war Gegenstand der folgenden Publikumsdiskussion, nämlich dass in der US-amerikanischen Gesellschaft die Existenz von rassistisch unterlegter Polizeigewalt und systematischer Benachteiligung Schwarzer Menschen breiter anerkannt sei als in Deutschland. Solange hierzulande diese Anerkennungslücke bestehe, so die Referentinnen, bleibe der Weg von Protesten zu spürbaren Veränderungen ein langer. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in den USA, einschließlich des Vorgehens der Trump-Administration gegen Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt und Gleichberechtigung, erinnerte Kopp an das Konzept der „langen Bürgerrechtsbewegung“, wonach der Kampf gegen rassifizierte Diskriminierung nicht mit der Bürgerrechtsgesetzgebung der 1960er Jahre abgeschlossen sei, sondern bis in die Gegenwart andauere. Auf Fortschritt folge oft ein Backlash, sodass die Ziele der Bewegung immer wieder neu verteidigt werden müssten.
Wir bedanken uns herzlich bei Luvena Kopp und Bebero Lehmann für das anregende und erkenntnisreiche Gespräch sowie bei der Kölner VHS für die Kooperation. Diese Veranstaltung fand mit Unterstützung des Auswärtigen Amts statt.
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