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Mit Gott gegen die Demokratie

Am 10. März 2026 fand im Haus der evangelischen Kirche in Köln eine Buchvorstellung von Mit Gott gegen die Demokratie: Warum der christliche Nationalismus alle angeht des Journalisten Arnd Henze statt. An der Diskussion nahmen außerdem Thomas Rachel, Mitglied des Bundestages und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, sowie virtuell Reverend Dr. Karen Georgia A. Thompson, Präsidentin der United Church of Christ und der World Communion of Reformed Churches, und Professor Philip Gorski von der Yale University teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Viktoria Harbecke, Direktorin des AmerikaHaus NRW.

Zu Beginn erläuterte Henze zentrale Thesen seines Buches. Dabei merkte er an, dass der in der Vergangenheit oft verwendete Begriff „Evangelikale“ irreführend sei, da es sich bei der von ihm untersuchten Strömung weniger um besonders fromme Menschen als vielmehr um politisch motivierte Gruppen mit nationalistisch-elitärer Ausrichtung handle. Zusammengehalten werde die Bewegung durch ein Gefühl historischer Niederlagen und eine tiefgreifende Unzufriedenheit mit gesellschaftlichem Wandel und den Institutionen des demokratischen Rechtsstaats, woraus das gemeinsame Streben nach politischer Gegenreaktion erwachse.

Auch Thomas Rachel warnte vor der Instrumentalisierung des christlichen Glaubens. Religion werde in der aktuellen US-Politik gezielt eingesetzt, um Feindbilder zu erzeugen und politische Positionen zu legitimieren. Henze ergänzte, dass ernsthafte Theologie immer auch Ideologiekritik beinhalten müsse, um den Missbrauch religiöser Argumente zu verhindern.

Aus amerikanischer Perspektive betonte Reverend Dr. Thompson, dass nationalistisches Denken dem Kern des christlichen Glaubens widerspreche, der auf Nächstenliebe und Gerechtigkeit basiere. Die United Church of Christ engagiere sich daher gegen Aspekte der derzeitigen Migrationspolitik, die diesen Grundwerten widersprächen. Professor Philip Gorski machte auf die unterschiedlichen Strömungen innerhalb des christlichen Nationalismus aufmerksam und führte zudem aus, dass sich das Narrativ der Bewegung derzeit von einem nationalistischen hin zu einem zivilisatorischen verschiebe, wodurch auch die grenzüberschreitende Vernetzung weiter angeregt werde.

Henze machte deutlich, dass er den christlichen Nationalismus als Gefahr für die Demokratie beiderseits des Atlantiks einstufe. Doch er erklärte abschließend auch seine „illusionslose Hoffnung“: Der Widerstand gegen die anti-demokratische Politik der Administration in den USA wachse. Zahlreiche religiöse und andere Gemeinschaften wie auch staatliche Einrichtungen und couragierte Individuen stemmten sich gegen die Aushöhlung der Demokratie und engagierten sich für den Schutz und die Rechte ihrer Mitmenschen. Wichtig sei es zudem, gerade jetzt den transatlantischen Austausch aufrechtzuerhalten, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig Mut zu machen. „Auf dem Feld der Angst sind die Verächter von Demokratie und offener Gesellschaft unschlagbar“, so Henze. „Mobilisieren kann nur eine politische Gegenbewegung, die auf Hoffnung und Gelingen setzt.“

Wir bedanken uns herzlich bei Arnd Henze dafür, dass er Mit Gott gegen die Demokratie am Vorabend des Erscheinungstermin bei uns vorgestellt hat, sowie den weiteren Sprecher:innen für ihre wertvollen Beiträge. Ein großer Dank gilt außerdem den beteiligten Partnerorganisationen: Melanchthon-Akademie, Karl-Rahner-Akademie und Evangelische Akademie im Rheinland.

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