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Köln 1945 und heute: Bilder des Umbruchs, Fragen an die Zukunft

Im Rahmen der Fotoausstellung „Lee Miller: Cologne 1945“ und in Verbindung mit dem 80. Jahrestag des Weltkriegsendes fand am 13. Mai 2025 eine Diskussionsveranstaltung organisiert vom AmerikaHaus NRW und der Stadt Köln statt. Ziel der Veranstaltung war es, die ausgestellten Fotografien von Lee Miller aus Köln im März 1945 zu analysieren, einen Einblick in die lokale Geschichte zu geben sowie die Entwicklung der deutsch-amerikanischen Freundschaft seit 1945 nachzuzeichnen. Dafür nahmen an der Podiumsdiskussion Dr. Walter Filz, Journalist und Autor von Lee Miller Köln im März 1945, Jun.-Prof. Dr. Elisabeth Piller, Historikerin an der Universität Freiburg, sowie Dr. Alexander Olenik, Geschäftsführer der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, teil. Moderiert wurde die Diskussion von Arnd Henze, Journalist beim WDR. Bürgermeister Dr. Ralph Elster eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort.

Um die ausgestellten Bilder von Lee Miller einzuordnen, machte Dr. Filz darauf aufmerksam, dass Miller die erste akkreditierte Kriegsfotografin in Deutschland gewesen und im März 1945 in ein weitgehend entleertes Köln gekommen sei. Jun.-Prof. Piller ergänzte, dass Millers Fotos insbesondere von ihrem feindseligen Blick auf die Deutschen geprägt seien. Dies, so Piller, erkenne man daran, dass sie die Bürgerinnen und Bürger Kölns bewusst wohlgenährt und gut gekleidet abbildete und dadurch sehr bewusst, aber unauffällig politische Bilder in ihre Berichterstattung für die Zeitschrift Vogue aufgenommen habe. Dr. Olenik argumentierte, dass die Bilder insbesondere deswegen so aussagekräftig seien, da – anders als oft angenommen – es in Köln auch nach knapp sechs Jahren Krieg keine Lebensmittelknappheit gegeben habe, während keine hundert Kilometer weiter in besetzten Gebieten in Belgien die Bevölkerung unter Mangelernährung gelitten habe. Dadurch, so Piller, sei die Einstellung amerikanischer GIs ambivalent gewesen – zwar hätten sie sich generell ablehnend gegenüber Deutschen gezeigt, jedoch schon früh einen sexualisierten Blick auf deutsche Frauen gehabt, die attraktiv im Vergleich zu Frauen in von Deutschland besetzten Ländern gewesen seien, was trotz Verbot schnell zu weit verbreiteter Fraternisierung geführt habe.

Wichtig sei auch, so Olenik, dass es in Köln auch noch Jahre nach Millers Fotos kein Bewusstsein dafür gegeben habe, dass 1945 die Befreiung vom Nationalsozialismus brachte. Stattdessen sei das Narrativ verbreitet worden, dass die Deutschen die Opfer seien – schließlich seien sie ausgebombt worden. Von den Besatzungsmächten sei der Entnazifizierungsprozess schnell wieder in deutsche Hände übergeben worden. Gerade für die US-Amerikaner sei nicht nur die Erziehung der Deutschen zur Demokratie essenziell gewesen, sondern auch die Vermittlung eines positiven Amerikabildes.

Trotz der vorherrschenden Ablehnung, die sie durch die US-Truppen erfuhren hätten, hätten die Deutschen die Amerikaner relativ positiv wahrgenommen – sie waren jung, hoch motorisiert und verteilten Schokolade an Kinder. Amerika, so Filz, sei allein deswegen in den folgenden Jahren und Jahrzehnten so attraktiv geworden, weil es nicht Europa war. Es habe für die Berliner Luftbrücke, Technologie, Prosperität und eine starke Zivilgesellschaft gestanden und sich im Gegensatz zu Großbritannien klar für die Souveränität Deutschlands eingesetzt. Piller ergänzte, dass die USA verschiedenen Generationen Identifikationsfläche geboten hätten und das Angebot, mit der Westintegration erneut zu einer Wertegemeinschaft zu gehören, sehr ansprechend gewesen sei. Diese Wertegemeinschaft, so Piller, sei allerdings nur wirklich wirkmächtig gewesen, solange es mit der Sowjetunion einen Akteur gab, der diese ablehnte. Sie argumentierte, dass die Wertegemeinschaft mit dem Fall der Sowjetunion einen Dämpfer bekommen habe, dessen Auswirkungen man immer mehr spüre. Ebenso müsse man festhalten, dass es seit den 1960er Jahren immer wieder zu Brüchen im deutsch-amerikanischen Verhältnis gekommen sei – so hätten u.a. der Vietnamkrieg, der Irakkrieg und zuletzt die erste Amtszeit von Präsident Donald Trump je für unterschiedliche Generationen die deutsch-amerikanische Freundschaft in Frage gestellt. Trotz dieser politischen Unstimmigkeiten müsse man jedoch festhalten, dass es einen umfangreichen Austausch zwischen den USA und Deutschland gebe – sei es kulturell, wissenschaftlich, sportlich oder touristisch. Dr. Olenik erinnerte abschließend an eine Formel aus dem 19. Jahrhundert, wonach Staaten keine Freunde hätten, sondern nur Interessen. An diese solle man sich wieder erinnern, Klarheit über die eigenen Interessen gewinnen und dann Kongruenz herstellen.

Die Diskussionsveranstaltung gab dem Publikum die Möglichkeit, sich über die Ausstellung hinaus intensiv mit den Fotos von Lee Miller auseinanderzusetzen und mehr über die vielschichtige Entwicklung der transatlantischen Beziehungen, aber auch die lokale Geschichte in Köln zu erfahren. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion beteiligten sich viele Gäste durch Fragen und zeigten großes Interesse an den weiteren Hintergründen der gezeigten Fotografien.

Wir bedanken uns herzlich bei dem Podium für die ausgesprochen interessanten Analysen sowie bei der Stadt Köln für die Gastfreundschaft und gute Kooperation. Diese Veranstaltung wurde gefördert von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen.

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