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95 Tage Trump: Wo stehen die USA?

Am 24. April 2025 lud das AmerikaHaus NRW gemeinsam mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) und den Stadtbüchereien der Landeshauptstadt Düsseldorf zu einer Diskussionsveranstaltung anlässlich der ersten knapp 100 Tage der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump in die Stadtbibliothek Düsseldorf ein. Das Podium bestand aus Prof. Dr. Regina Schober, Professorin für Amerikastudien an der HHU, Prof. Dr. Jared Sonnicksen, Professor für Politikwissenschaft an der RWTH Aachen, und Erik Kirschbaum, freier Journalist. Moderiert wurde die Veranstaltung vom freien Fernsehjournalisten Dr. Andreas Turnsek.

Gleich zu Beginn der Diskussion zeigten sich die Panelist:innen besorgt über die Entwicklungen seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus. Insbesondere der ausbleibende Widerstand der Republikanischen Partei gegenüber den offensichtlichen Angriffen auf die Rechtsstaatlichkeit der USA sei überraschend. Erik Kirschbaum rief dennoch dazu auf, optimistisch zu bleiben, und argumentierte, dass die Demokratie nach Trumps erster Amtszeit stärker gewesen sei als je zuvor. Prof. Sonnicksen hingegen wies darauf hin, dass man bei aller Betonung der amerikanischen Demokratietradition nicht vergessen dürfe, dass die Südstaaten der USA noch bis in die 1960er Jahre autoritäre Strukturen aufwiesen.

Kirschbaum kritisierte außerdem, dass Trump in Europa vorschnell verurteilt werde. Anstatt abzuwarten, welche Auswirkungen seine Bemühungen beispielsweise im Russland-Ukraine-Konflikt haben werden, gehe man direkt vom Schlimmsten aus. Dies, so Kirschbaum, erschwere ein besseres Verhältnis zwischen Europa und den USA.

Prof. Schober berichtete, dass die zunehmenden Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit sie vor besondere Herausforderungen stellten. Es sei – anders als früher – nun unklar, ob die USA weiterhin ein sicherer Ort für Wissenschaftler:innen seien. Sie beobachte bereits einen Rückgang des Interesses an den USA. Allerdings werde diese Entwicklung in Teilen auch durch einen affektgeladenen Diskurs in den deutschen Medien verstärkt, der die politischen Ereignisse in den USA nicht in ihrer Komplexität abbilde. Prof. Sonnicksen ergänzte, dass die schwache Regulierung der Medien in den USA problematisch sei und die Professionalität des Journalismus zunehmend leide – insbesondere durch eine fehlende Distanz der journalistischen Institutionen zu den Personen und Ereignissen, über die berichtet werde. Kirschbaum hingegen hielt diese Einschätzung für übertrieben, da die Medienlandschaft in den USA nach wie vor auch kritisch über die Regierung berichte.

Die Diskussion endete mit zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Die Gäste zeigten sich überrascht über die geringen Reaktionen der jungen Generation auf die aktuelle Politik. Zudem äußerten sie die Sorge, eine Verschlechterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen könne irreversibel sein, und suchten nach Wegen, sich selbst für den transatlantischen Austausch zu engagieren. Im anschließenden informellen Austausch bedankten sich viele Teilnehmende für die differenzierten Perspektiven in der Diskussion und teilten ihre Wertschätzung für Veranstaltungen wie diese, die auch in einer angespannten politischen Lage zur aktiven Auseinandersetzung mit transatlantischen Fragen anregte.

Wir bedanken uns herzlich bei unserem Panel für die nuancierten Analysen und Ausblicke sowie bei unseren Kooperationspartnern, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und den Stadtbüchereien der Landeshauptstadt Düsseldorf. Die Veranstaltung wurde gefördert von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen.

 

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