Es war einmal in Amerika – Haben wir einen Kulturkonflikt?
Am 5. Oktober 2026 lud das AmerikaHaus NRW gemeinsam mit dem Konzerthaus Dortmund und der Auslandsgesellschaft.de zur Veranstaltung „Es war einmal in Amerika – Haben wir einen Kulturkonflikt?“ ins Konzerthaus Dortmund ein. Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Nordamerika, Lydia Steier, Opernregisseurin und designierte Intendantin der Ruhrtriennale, sowie Axel Rüger, Direktor der Frick Collection in New York, diskutierten über kulturelle Freiheit, gesellschaftliche Polarisierung und den europäischen Blick auf die USA. Moderiert wurde der Abend von Klaus Wegener, Präsident der Auslandsgesellschaft.de, und Viktoria Harbecke, Direktorin des AmerikaHauses NRW.
Nach einem musikalischen Auftakt eröffnete Dr. Raphael von Hoensbroech, Intendant des Konzerthauses Dortmund, den Abend. Kultur zeige nicht nur, was eine Gesellschaft hervorbringt. „Sie zeigt auch, wofür eine Gesellschaft sich hält“, sagte er eingangs. NRW-Minister für Internationales Nathanael Liminski betonte in seiner Begrüßung die Bedeutung offener gesellschaftlicher Debatten und eines differenzierten europäischen Blicks auf die USA: „In Amerika wurde schon immer gestritten, auch über Kultur.“ Das sei per se kein Zeichen des Niedergangs. Die wahre Gefahr für die Demokratie sei vielmehr die Konformität. Sein Fazit: Der Kulturkampf verlaufe nicht zwischen Europa und den USA, sondern er ziehe sich durch beide Gesellschaften. „Zwischen denen, die Freiheit für alle wollen und denen, die sie nur für ihre eigenen Überzeugungen wollen.“
Im Mittelpunkt der folgenden Podiumsdiskussion standen unterschiedliche Vorstellungen von Freiheit auf beiden Seiten des Atlantiks sowie die Frage, wie politische und gesellschaftliche Konflikte den Kulturbetrieb prägen. Das Podium beleuchtete die Handlungsspielräume von Kulturinstitutionen und erörterte, wie Polarisierung und Fragen kultureller Identität das Zusammenleben beeinflussen.
Als besorgniserregend beschrieb Elmar Theveßen den Verlust der Fähigkeit, einander zuzuhören und trotz unterschiedlicher Ansichten im Gespräch zu bleiben. Immer häufiger fehle der Respekt für andere Positionen und die Bereitschaft, gemeinsame Lösungen zu suchen. „Begegnungen sind zentral. Und die sind in den USA vollends auseinandergefallen,“ machte auch Lydia Steier deutlich. „Ich sehe, wieviel einsamer und leichter zu beeinflussen viele Orte in den USA geworden sind.“ Gleichzeitig widersprach das Panel pauschalen Urteilen. Versuche politischer Einflussnahme gebe es vor allem auf nationale Einrichtungen, so Axel Rüger, zugleich verfüge die amerikanische Gesellschaft und Kulturlandschaft über Gegenkräfte. Die überwiegend private Finanzierungsstruktur vieler Kulturinstitutionen schaffe Freiräume, die staatliche Eingriffe begrenzten.
Die Diskussion machte darüber hinaus deutlich, dass die Folgen gesellschaftlicher Polarisierung längst auch in Deutschland und Europa zu beobachten seien. Der Verlust von Debattenfähigkeit und Begegnung bedrohe demokratische Gesellschaften weit stärker als kontroverse Diskussionen selbst. Umso wichtiger seien Orte des Austauschs, an denen unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen. So richtete sich der Blick zum Abschluss auf die verbindende Kraft von Kunst und Kultur. Trotz der Sorge um demokratische Werte blieb die Zuversicht in die Vielfalt der amerikanischen Kulturlandschaft und ihre Möglichkeiten, Begegnungen und Austausch zu schaffen.
Wir bedanken uns herzlich bei Elmar Theveßen, Lydia Steier und Axel Rüger für ihre Einblicke sowie bei Minister Nathanael Liminski und Dr. Raphael von Hoensbroech für ihre Perspektiven. Außerdem bedanken wir uns beim Konzerthaus Dortmund und der Auslandsgesellschaft.de für die gelungene Kooperation.
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