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„Das Erwachsene Land“ mit Holger Stark

Am 4. und 5. März 2026 lud das AmerikaHaus NRW zu zwei Gesprächsabenden mit Holger Stark, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, anlässlich der Erscheinung seines Buches Das erwachsene Land: Deutschland ohne Amerika, eine historische Chance ein. In Bonn fand die Veranstaltung in Kooperation mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft statt und in Düsseldorf mit dem MaxHaus – Katholisches Stadthaus. Die Moderation übernahmen die Journalistinnen Marion Sendker in Bonn sowie Anke Bruns in Düsseldorf.

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen, wie sie sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelt hätten, seien mit der Analogie eines Eltern-Kind-Verhältnisses treffend beschrieben, so Stark. Deutschland sei dabei etwa im Alter eines 16-Jährigen verharrt. Keine Bundesregierung habe den politischen Preis eines Ablösungsprozesses zahlen wollen. Die Bundeswehr sei stark zusammengespart worden, unter dem Schutz der Vereinigten Staaten zu stehen, sei bequem gewesen. Doch nun stoße dieses Abhängigkeitsverhältnis an seine Grenzen, ein Erwachsenwerden Deutschlands sei überfällig, mahnte der Autor.

Grund dafür sei nicht zuletzt ein grundlegender Wandel in den Vereinigten Staaten, der mehr als 25 Jahre zurückreiche. Stagnierende Einkommen breiter Bevölkerungsschichten, der Verlust industrieller Arbeitsplätze sowie die kostenintensiven Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak hätten nicht nur zur gesellschaftlichen Polarisierung beigetragen, sondern auch die Bereitschaft massiv gesenkt, sich um den Rest der Welt zu kümmern. Trump sei Profiteur dieser Entwicklungen, nicht aber deren Verursacher. Für die USA sei der Wettstreit mit China die zentrale Herausforderung der nächsten Dekade, und zwar unabhängig davon, wer auf Trump im Weißen Haus folge. Deutschland und Europa müssten daher endlich mehr Eigenständigkeit und eine Position der Stärke entwickeln, argumentierte Stark. Zugleich betonte er, dass die Handlungsspielräume gegenüber den Amerikanern bisher nicht ausgeschöpft worden seien. So sei Deutschland als Standort für Militärinfrastruktur und -Logistik derzeit unerlässlich für die USA.  

Ein „erwachsenes“ Deutschland, so Stark, sei sicherheitspolitisch handlungsfähig, ohne dauerhaft auf externe Garantien angewiesen zu sein, und es vertrete klare außenpolitische Positionen. Es sei so gut aufgestellt, dass es sich jederzeit verteidigen könnte und es deswegen hoffentlich nie müsse. Dazu gehöre neben der Stärkung europäischer Strukturen auch der Ausbau pragmatischer Partnerschaften mit Ländern wie Kanada, Südkorea oder Brasilien. Dies erfordere jedoch eine mehrjährige Übergangsphase, in der die transatlantische Partnerschaft möglichst stabil gehalten werden müsse. Stark zeigte sich vorsichtig optimistisch, dass in Politik und Gesellschaft ein wachsendes Bewusstsein für die Notwendigkeit dieser Neuorientierung entstehe – auch wenn der Prozess mit Spannungen und Anpassungskosten verbunden sei.

Das Publikum in beiden Städten nutzte die Gelegenheit, Holger Stark auch zu weiteren aktuellen Themen zu befragen, darunter der Iran-Krieg und die Situation in der Ukraine.

Wir danken Holger Stark für zwei erkenntnisreiche Abende in Bonn und Düsseldorf. Ebenso danken wir Marion Sendker, Anke Bruns, der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, dem Haus der Bildung in Bonn sowie dem MaxHaus in Düsseldorf für die Unterstützung. Die Veranstaltungen fanden mit Unterstützung des Auswärtigen Amts statt.

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