A Changing World Order: Europe’s Strategic Role and the Future of Transatlantic Relations
Am 12. September 2025 richtete das AmerikaHaus NRW gemeinsam mit der Academy of International Affairs NRW (AIA) im Collegium Leoninum in Bonn eine Veranstaltung mit Botschafter a. D. Dr. Christoph Heusgen als Keynote-Redner aus. Dr. Heusgen ist derzeit Co-Chair des St. Gallen Symposiums und war zuvor unter anderem Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen, Außen- und Sicherheitspolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Zukunft transatlantischer Zusammenarbeit sowie die Herausforderungen und Chancen Europas in einer zunehmend umkämpften globalen Ordnung.
In seinem Vortrag blickte Dr. Heusgen auf Entwicklungen der internationalen Beziehungen in den vergangenen Jahrzehnten zurück und griff dabei auf Erfahrungen aus seiner langjährigen diplomatischen Tätigkeit zurück. Er erinnerte an die Verwerfungen zwischen Deutschland und den USA wegen des Irakkriegs und an das transaktionale Handeln der ersten Trump-Administration. Die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel habe schon gemahnt, dass Europa sich nicht dauerhaft auf seine Partner stützen könne und Deutschland mehr Verantwortung übernehmen müsse. Verstärkt durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie Chinas zunehmend machtbewusstes Auftreten bestehe die zentrale Aufgabe Europas darin, strategische Autonomie zurückzugewinnen. Voraussetzung hierfür seien klare politische Führung, Kohärenz zwischen Ankündigungen und tatsächlichem Handeln sowie das konsequente Festhalten an rechtsstaatlichen Prinzipien.
Dr. Heusgen zeigte sich besorgt angesichts der anhaltenden Schwierigkeiten der Europäischen Union, außenpolitisch geschlossen aufzutreten. Wenn die EU nicht mit einer Stimme spreche, habe sie kaum Einfluss. Außerdem müsse Europa dem Eindruck entgegenwirken, dass es bei Völker- und Menschenrechtsverletzungen mit zweierlei Maß messe. Da traditionelle Bündnisse zunehmend an Verlässlichkeit verlören, sei es höchste Zeit die Zusammenarbeit mit neuen Partnern zu stärken, zum Beispiel mit südamerikanischen Ländern durch Mercosur und mit Indien. Die gegenwärtige Annäherung zwischen Indien und China basiere weniger auf gemeinsamen Werten als vielmehr auf einer gemeinsamen Distanz zu bestimmten Aspekten der US-amerikanischen Außenpolitik. Daraus ergebe sich für Europa eine Chance. Ebenso sollten sich die Europäer gewahr werden, welch rasante wirtschaftliche Entwicklung sich gerade in einigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent vollziehe, statt immer nur auf das Thema Migration zu fokussieren.
Im anschließenden Gespräch mit Dr. Mayssoun Zein Al Din, Direktorin der AIA, warnte Dr. Heusgen, dass eine Rückkehr zum Status quo ante in den transatlantischen Beziehungen nicht wahrscheinlich sei. Auch in der Demokratischen Partei seien isolationistische Tendenzen ausgeprägt und eine Aufhebung der Zölle durch die nächste Regierung sei alles andere als ausgemacht. Angesichts der geopolitischen Realitäten müsse Europa seine Verteidigungsfähigkeit stärken, um einer weiteren militärischen Eskalation entgegenzuwirken. Erfolgreiche Ansätze der Vergangenheit sollten dabei aufgegriffen und zugleich durch klare politische Führung, eindeutige Prioritäten und klar definierte Verantwortlichkeiten weiterentwickelt werden.
Wir bedanken uns herzlich bei der Academy of International Affairs NRW für die sehr gute Zusammenarbeit sowie bei Dr. Christoph Heusgen für seine wertvollen Einblicke. Die Veranstaltung wurde von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen unterstützt.
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