John Hulsman: „Dem Land ein Stück Stärke zurückgeben“

01.12.2008

John Hulsman

Bei den rund 160 Gästen sorgte Politikexperte John Hulsman für eine gute Stimmung, als er in seiner lässigen amerikanischen Art die politische Lage seines Landes humorvoll und fachmännisch analysierte. Anlass war ein Diskussionsabend des Amerika Haus Vereins am Tag nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl. Moderator des Abends war Michael Knigge, Leiter der Deutschen Welle Online-Redaktion, der mit John Hulsman ein eingespieltes Team bildete.

Hulsman, zurzeit Alfred-von-Oppen-heim Scholar der DGAP, startete mit den schonungslosen Umfrageergeb-nissen aus den USA, nach denen George W. Bush als unpopulärster Präsident Amerikas seine Amtszeit beendet. Obama dagegen, der junge designierte Präsident aus Chicago, gelte als talentiert und charismatisch. Hulsman verglich ihn mit John F. Kennedy, der eine ähnlich ruhige, überlegte Art gehabt habe. Dass Obama eben kein draufgängerischer Aktionist sei, sieht er als dessen größte Stärke an. Die werde er brauchen, prophezeite Hulsman, denn ein wesentliches Problem, das seinen politischen Spielraum erheblich begrenzen werde, stehe fest: „We have no money, we can do nothing.“  Darüber hinaus werde es von einigen Seiten Argwohn geben, zum Beispiel von den Neokonservativen, die nur darauf lauerten, dass Obamas Kurswechsel in eine Sackkasse gerät.

tl_files/articles/aktuelles/newsletter/2008/11-12-hulsman.gifWenn auch die innen- und außenpolitischen Herausforderungen, wie Budgetdefizit, Finanz-krise und Irakkrieg, eine große Bürde für Obamas Amtszeit darstellen, sieht Hulsman dennoch das Positive überwiegen: Dass durch die Wahl eines schwarzen Präsidenten der Rassismus ein Stück überwunden werde. „Snake in the garden“ nennt er diesen dunklen Fleck der amerikanischen Geschichte. Die eindeutige Wahl Obamas gebe dem Land zudem ein Stück Stärke zurück, nämlich wieder an sich zu glauben.

„Ich bin total begeistert“, freute sich ein Besucher, „Hulsman gibt eine andere Sicht auf die Dinge als die deutschen Medien. Wie er z.B. ein Treffen zwischen Obama und Angela Merkel skizziert hat: wie Merkel plötzlich ganz still wird, wenn sie hört, was in Afghanistan von ihr erwartet wird. Das war schon echt Klasse.“

Zurück