Termine
30.06.2012
30.06.2012 (18:30 - 22:00) · Siegen
Konzert & Künstlergespräch
Siegen: »Eine lebendige Beziehung - Musik in der deutschen und amerikanischen Synagoge«
mit Samuel Adler, Juilliard School of Music, New YorkKlänge bauen Brücken – so wirkt Samuel Adler, einer der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit, durch sein musikalisches Schaffen weltweit. In Deutschland als Sohn des jüdischen Kantors und Komponisten Hugo Chaim Adler geboren und im Exil in den USA aufgewachsen, umfasst sein bisheriges Werk über 400 Arbeiten, darunter Opern, Symphonien und Kammermusik. Zahlreiche Auszeichnungen erhielt Samuel Adler für seine herausragenden Verdienste um die musikalische Verständigung, nicht zuletzt in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Geschätzt wird hier insbesondere seine Expertise zum transatlantischen Einfluss auf die Synagogalmusik des 19. und 20. Jahrhunderts.
Dabei ist Samuel Adler nicht nur ein herausragender Künstler, sondern auch Dozent und seit 1995 Professor an der Juilliard School of Music in New York. An über 300 Universitäten weltweit hat er bereits gelehrt und junge Musikerinnen und Musiker in seine Künste des Komponierens eingeweiht. Welchen Einfluss haben individuelle, biographische Erfahrungen bei der Entstehung eines musikalischen Stücks? Und wie prägen gesellschaftspolitische Einflüsse ganze Musikrichtungen?
In Kooperation mit Prof. Martin Herchenröder, Universität Siegen freute sich der Amerika Haus e.V. NRW, Samuel Adler am 30. Juni 2012 in Siegen begrüßen zu dürfen. Dort lud der Amerika Haus e.V. NRW zu einem exklusiven Künstlergespräch im Naschwerk, bevor Samuel Adler durch das anschließende Konzert in der Nikolaikirche leitete, welches sich unter dem Titel »Eine lebendige Beziehung – Musik in der deutschen und amerikanischen Synagoge« dem transatlantischen Charakter dieser Musikrichtung widmete.
Von der Veranstaltung berichtete Bernd Sensenschmidt von der Kulturredaktion der Siegener Zeitung: Samuel Adler zeigte im Hintergrundgespräch den Verlust auf, „den das deutsche Musikleben in den 1930er-Jahren durch die Emigration unzähliger Komponisten jüdischer Abstammung erlitten hat. Er betonte die in Amerika übliche stilistische Ungezwungenheit in der Kompositionspraxis und gab seiner Freude Ausdruck über das interessierte und sehr aufgeschlossene Konzertpublikum in Deutschland. Und sehr humorvoll berichtete Adler Episoden aus der Geschichte seiner Familie vor und nach der Emigration, wobei die Tätigkeit seines Vaters Hugo Chaim Adler (1894–1955) als Kantor und Komponist eine erhebliche Rolle spielte. […] Der erste Konzertteil war Kompositionen von Louis Lewandowski (1821–94), Herbert Fromm (1905–95) und Heinrich Schalit (1886–1976) gewidmet. Wie Samuel Adler in seinem die beiden Konzertteile erläuternden und verbindenden Vortrag darlegte sind diese Kompositionen dem zu Moses Mendelssohns Lebzeiten vor allem in Deutschland eingeleiteten Reformprozess des jüdischen Gottesdienstes zuzurechnen, der nicht zuletzt die Kirchenmusik erfasste und im 20. Jahrhundert im Zuge der Emigration weltweit Einfluss nahm auf die Musik in den reformierten jüdischen Gemeinden. […] Der zweite Konzertteil war Kompositionen von Vater Hugo Chaim Adler und Sohn Samuel Adler gewidmet, die stilistisch deutlich im 20. Jahrhundert verortet sind, und bei denen auch die Musik dienenden Charakter hat für die Expression des geistlichen Wortes. […] Die Zuhörer durften nicht nur eine Aufführung hierzulande selten zu hörender geistlicher Musik erleben, sondern auch die Begegnung mit einem großen Komponisten unserer Zeit, der ungemein liebenswürdig, unprätentiös und trotz seines hohen Alters von 84 Jahren ausgesprochen lebhaft wirkte."
Der Artikel ist erschienen in der Siegener Zeitung vom 2. Juli 2012.
Moderation: Prof. Martin Herchenröder, Professor für Musiktheorie an der Universität Siegen
Amerika Haus e.V. NRW
Telefon: 0221 – 169 26 350 │ Fax: 0221 – 169 26 308
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