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10.02.2012
10.02.2012 () · Münster · Historisches Rathaus
Vortrag & Diskussion
Münster: »Amerika vor der Qual der Wahl: US Bürger und Parteien im Wahljahr 2012«
Mit Dr. Christoph von Marschall, White House Korrespondent "Der Tagesspiegel" Washington Bureau Chief und Ruprecht Polenz, MdB, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Moderiert wurde das Gespräch von Frau Dr. Claudia Kramer-Santel von den Westfälischen Nachrichten.
Am 10. Februar 2012 war Dr. Christoph von Marschall in Münster Gast des Amerika Haus e.V NRW. Nach einleitenden Worten durch Bürgermeister Holger Wigger, Prof. Martin Korda (Vorsitzender der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft Münster) und Frau Dr. Juliane Kronen (Vorstandsmitglied des Amerika Haus e.V. NRW), begann Dr. von Marschall seinen Vortrag mit einem Blick auf den Vorwahlkampf der Republikaner. Der Schwerpunkt der amerikanischen Politik läge derzeit nicht in Washington, sondern in den Bundesstaaten, in denen der republikanische Präsidentschaftskandidat ermittelt werde. Das wichtigste Ziel der Republikaner sei es, die Wiederwahl von Präsident Barack Obama zu verhindern. Auch, wenn die Kandidaten zwar schwach seien und keiner eine breite innerparteiliche Mehrheit auf sich vereine, habe doch Mitt Romney die größten Chancen, Barack Obama im November herauszufordern, obwohl Mitt Romney in den eigenen Reihen - aufgrund seiner gemäßigt-liberalen Politik - als Gouverneur von Massachusetts ein ungeliebter Kandidat sei.
Nach von Marschalls Eindruck ist die Stimmung in den USA durch eine enorme Polarisierung der politischen Lager geprägt. Während Präsident Obama in den Augen vieler Deutscher nicht genügend Reformen angepackt habe, werde ihm in den USA vorgeworfen, dass er zu viel und dabei auch das Falsche getan habe. Hieran zeige sich, dass seine Wahl auf beiden Seiten des Atlantiks mit unterschiedlichen Erwartungen begleitet worden war. Während er in Deutschland als transformativer, die Welt verändernder Kandidat erschienen sei, hätten die Amerikaner eine rasche Lösung der Finanz- und Wirtschaftskrise von ihm verlangt. Nach seiner momentanen Beliebtheit zu urteilen, sei eine erneute Wahl Obamas unwahrscheinlich. Da die republikanischen Kandidaten jedoch nicht die Mehrheit der Amerikaner überzeugen könnten und von allen Romney die größten Chancen auf einen Sieg besitze, habe Obama daher zwar knappe, aber durchaus gute Chancen auf eine Wiederwahl.
In der anschließenden Diskussion betonte Ruprecht Polenz, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, dass Deutschland sowohl wirtschafts- als auch außenpolitisch ein großes Interesse an der amerikanischen Politik haben müsse. Die amerikanischen Vorwahlen zeigten zudem, dass – obwohl sie eine demokratischere Kandidatenwahl als in Deutschland ermöglichten – entschlossene Minderheiten wie die Tea Party einen unverhältnismäßigen Einfluss auf die Politik entwickeln könnten. Die Tea Party hätte es zwar bereits 2010 geschafft, verschiedene Gruppen gegen Obama zu mobilisieren, ihre Schwäche läge aber ganz deutlich darin, proaktiv für sich zu werben.
Polenz und von Marschall waren sich einig: Selbst wenn Obama die Präsidentschaftswahlen für sich entscheiden sollte, so werde der Kongress wahrscheinlich von den Republikanern gewonnen werden, sodass auch nach der Wahl 2012 ein gespaltenes System aus Präsident und Kongress die politischen Herausforderungen der USA gestalten müsse.
Dr. Christoph von Marschall, deutscher Biograph des Präsidenten und der First Lady Michelle Obama, ist regelmäßiger Gast im Weißen Haus und beobachtet die Entwicklung als Korrespondent des Berliner Tagesspiegels.
Ruprecht Polenz, MdB, ist seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages für den
Wahlkreis Münster und Vorsitzender des Auswärtigen
Ausschusses im Deutschen Bundestag.Grußwort: Bürgermeister Herr Holger Wigger.
Weiteführende Literatur:
- Presseankündigung in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, 30.01.2012: Auf Tuchfühlung mit Obama
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