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My Way or the Highway: Feminismus in Kanada

Wie glücklich sind eigentlich die Frauen Kanadas, nun da sie seit gut zwei Jahren mit dem Liberalen Justin Trudeau einen Mann als Staatsoberhaupt haben, der sich selbst als Feminist bezeichnet? Dieser und anderer Fragen widmete sich am Abend des 13. Dezembers die EMMA-Redakteurin Alexandra Eul in ihrem Vortrag mit dem Titel „Kanada: Auf der Suche nach dem Glück“. Eul, die in diesem Jahr mit dem „Arthur F. Burns Fellowship“ ausgezeichnet wurde und somit die Möglichkeit hatte, für zwei Monate bei der Tageszeitung The Globe and Mail in Toronto zu hospitieren, gab den rund fünfzig Gästen einen differenzierten Überblick über die aktuellen feministischen Debatten Kanadas. Sie berichtete von sichtbaren Erfolgen auf dem Weg zur Gleichstellung aller Geschlechter, die die Regierung seit der Amtsübernahme Trudeaus vorweisen kann, wie etwa dem zur Hälfte mit Frauen besetzten Kabinett. Auch die Initiierung eines Online-Tools, dem sogenannten „Gender-Based Analysis Plus“, sei eine Errungenschaft der Trudeau-Regierung: Mit dessen Hilfe lässt sich analysieren, wie verschiedene Gruppen in der Gesellschaft von Gesetzgebungen oder anderweitigen staatlichen Maßnahmen betroffen sind, wobei der Fokus hierbei explizit auf soziokulturell konstruierten Genaderkategorien liegt.

Dass die Situation für Frauen in Kanada trotz positiver Beispiele wie diesen jedoch alles andere als rosig sei, eröffnete Eul ihren Zuhörerinnen und Zuhörern anhand einiger Gegenbeispiele, wie etwa der Tatsache, dass der Anteil der weiblichen Abgeordneten im kanadische Parlament mit rund 27 % sogar noch geringer als in Deutschland ist, das aktuell einen Frauenanteil von 31 % im Bundestag vorweisen kann. Des Weiteren verwies Eul auf die von feministischen Aktivistinnen geäußerte Kritik am Umgang der Regierung mit verschiedensten Themenkomplexen, wie etwa der Situation der Frauen innerhalb der First Nations, oder der Gesetzeslage zur Sexarbeit in Kanada.

Im Anschluss an den Vortrag führte Professorin Sabine Sielke, Leiterin des Nordamerikastudienprogramms und des German-Canadian Centre der Universität Bonn, mit Alexandra Eul und den anwesenden Gästen ein interessantes Gespräch, in dem es um Fragen der Wirksamkeit von Popfeminismus, feministischen Journalismus und die Rolle von Männern innerhalb feministischer Debatten ging. Herzlichen Dank an unseren Kooperationspartner, die Deutsch-Kanadische-Gesellschaft e. V., mit der im kommenden Jahr weitere spannende gemeinsame Projekte geplant sind.

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